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DAAD-Projekt (Förderzeitraum 2014-2015): Twitter im EU-Wahlkampf: Ein Vergleich der Twitterkommunikation deutscher und französischer Kandidaten und Kandidatinnen im Europawahlkampf 2014

Beteiligte

Universität Bonn: Caja Thimm, Jessica Einspänner-Pflock, Tobias Bürger, Mario Anastasiadis
Universität Dijon: Alex Frame, Laurent Gautier

Zum Projekt

Social Media haben das Medienrepertoire sowohl von Politikerinnen und Politikern, als auch von Bürgerinnen und Bürgern erheblich erweitert und sind ein zentraler Motor der Mediatisierung des Politischen. Darum kommt Facebook, YouTube oder Twitter in den letzten Jahren auch eine zunehmend wichtige Rolle in den Wahlkampfstrategien von Parteien zu. Der hohe Stellenwert des Microbloggingdienstes in der politischen Kommunikation gilt für eine Vielzahl von Ländern in der Europäischen Union. Der Fokus des Forschungsprojekts liegt dabei insbesondere auf einem Vergleich der politischen Twitterkommunikation in Frankreich und Deutschland.
In Deutschland gibt es über 4 Millionen Twitter-Accounts, davon sind knapp eine Million aktive Twitternutzer. Über 60% aller deutschen Abgeordneten sind auf Twitter aktiv. Noch aktiver wird Twitter in Frankreich genutzt, hier finden sich 5,5 Millionen Accounts und ca. 1,2 Millionen aktive Nutzer. Die wachsende Bedeutung von Twitter im Kontext politischer Kommunikation in den beiden Ländern zeigt sich vor allem in der Wahlkampfkommunikation. Es ist davon auszugehen, dass Twitter auch im EU-Wahlkampf 2014 in beiden Ländern eine wichtige Rolle spielen wird. Twitter kann, so eine These des Projektes, mit Blick auf die politischen Öffentlichkeiten in Deutschland und Frankreich, vor allem aber mit Blick auf die Frage nach einer transnationalen europäischen Öffentlichkeit eine zentrale Rolle spielen. Hier setzt das Projekt mit einem Vergleich der Politikertweets und ihrer Funktion für Politiker, Bürger und politischen Diskurs in Deutschland und Frankreich an.
Die Europawahl bietet für eine länder- und kulturvergleichende Analyse von Twitter im Rahmen der Mediatisierung des Politischen besonders an. Im Umfeld der Europawahl werden die Twitteraktivitäten von Politikerinnen und Politikern, sowie Bürgerinnen und Bürgern erhoben, dokumentiert und analysiert. Untersuchungen der deutschen als auch der französischen Forschergruppe haben durch Detailanalysen in den vorangegangen Wahlen interessante Ergebnisse erzielt, ein deutsch-französischer Vergleich stellt jedoch eine Forschungslücke dar. Die Analysen basieren auf den Vorarbeiten der Projektpartner und insbesondere auf dem von der Forschergruppe Frau Prof. Thimm im Rahmen des DFG-Schwerpunktprojektes „Deliberation online: Formen und Funktionen des politischen Online-Diskurses am Beispiel des Microbloggingsystems Twitter“ entwickelten Twitter-Diskursmodell.
Ziele sind Analysen der individuellen Twitter-Stile der jeweiligen Politiker, ihrer diskursiven Einbettung in die politischen Debatten der beiden Länder sowie Untersuchungen der mittels Twitter etablierten Diskurskulturen und crossmedialen Funktionen von Tweets. Zur Herausarbeitung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Twitternutzung innerhalb der politischen Öffentlichkeit in Frankreich und Deutschland werden zunächst quantitative Analysen (Anzahl der Tweets, Themenfokussierung anhand von Hashtaganalysen im Zeitverlauf) vorgenommen. Diese Ergebnisse werden die grundsätzliche Rolle von Twitter für die französischen und deutschen Politiker bzw. die politischen Öffentlichkeit verdeutlichen. Darauf aufbauend sollen die persönlichen Stile einzelner Spitzenkandidaten analysiert werden. Um die Fragestellung nach den jeweiligen Stilmustern zu beantworten sind folgende Analysephasen geplant:

a) Interaktionen der untersuchten Accounts mit anderen Twitterern
b) Bürgerschaftliche Beteiligung an wahlrelevanten Diskursen
c) Crossmediale Effekte (Twitter als Agenda Setter)
d) Crossmediale Verweisstrukturen durch Links und Fotos

Um der Vielschichtigkeit der diskursiven Kommunikationsprozesse im multireferenziellen Netzwerk Twitter gerecht zu werden, wird ein Mixed-Methods-Design angewandt. Die Untersuchung des Twitterkorpus erfolgt auf zwei Analyseebenen:
1) Operatorenebene: Auf Grundlage des Operatorenmodells werden die Tweets der jeweiligen Politiker quantitativ untersucht.
2) Themenebene: Antworten auf die Frage, inwiefern sich französische und deutsche Diskursmuster unterscheiden, ähneln oder sogar ineinandergreifen, soll eine inhaltsanalytische Auswertung der Tweets auf Themenebene liefern.

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